Schwindel gehört zu den häufigsten Gründen für einen Besuch in einer HNO-Praxis. Diese Seite soll Ihnen helfen, die wichtigsten Zusammenhänge zu verstehen und Ihnen zeigen, wie Sie Ihr Gleichgewicht durch einfache Übungen unterstützen können.

Wie funktioniert unser Gleichgewicht?

Damit wir sicher stehen und gehen können, arbeitet unser Gehirn ständig mit Informationen aus drei Bereichen:

  • den Gleichgewichtsorganen im Innenohr,
  • den Augen,
  • sowie den Muskeln und Gelenken, die unserem Gehirn die Körperhaltung melden.

Alle diese Informationen werden im Gehirn miteinander verglichen.

Kommt es zu widersprüchlichen Signalen, entsteht Schwindel.

Von einem peripheren Schwindel spricht man, wenn die Ursache im Innenohr oder am Gleichgewichtsnerv liegt. Doch nicht jeder Schwindel entsteht im Innenohr. Manchmal liegt die Ursache im Gehirn oder im Kleinhirn. Dann spricht man von zentralem Schwindel.

Außerdem können zahlreiche andere Erkrankungen Schwindel verursachen, beispielsweise:

  • niedriger Blutdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • neurologische Erkrankungen
  • Migräne
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Angst- und Panikstörungen

Diese Ursachen müssen teilweise von anderen Fachärzten abgeklärt werden.

Warum helfen Gleichgewichtsübungen?

Das Gehirn besitzt eine erstaunliche Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen.

Fällt ein Gleichgewichtsorgan teilweise oder vollständig aus, kann das Gehirn lernen, die fehlenden Informationen auszugleichen.

Diesen Vorgang nennt man vestibuläre Kompensation.

Regelmäßige Bewegung beschleunigt diesen Lernprozess erheblich.

Langes Schonen oder Bettruhe verzögern dagegen häufig die Erholung.

Grundregeln für das Training

  • Üben Sie möglichst täglich.
  • Mehrere kurze Übungseinheiten sind besser als eine lange.
  • Leichter Schwindel während der Übungen ist normal.
  • Der Schwindel sollte wenige Minuten nach der Übung wieder nachlassen.
  • Brechen Sie die Übungen ab, wenn starke Übelkeit oder Sturzgefahr entstehen.
  • Sorgen Sie immer für eine sichere Umgebung (z.B. nahe einer Wand oder eines Geländers).

Einfache Gleichgewichtsübungen

1. Blick stabil halten

  • Setzen Sie sich aufrecht hin.
  • Fixieren Sie einen Punkt an der Wand.
  • Drehen Sie nun den Kopf langsam nach rechts und links.
  • Versuchen Sie dabei, den Punkt ständig scharf anzusehen.
  • Beginnen Sie langsam und steigern Sie die Geschwindigkeit.

Dauer: 1 Minute, 3-mal täglich.

2. Kopfbewegungen

  • Schauen Sie geradeaus.
  • Bewegen Sie den Kopf langsam
    • nach oben und unten
    • anschließend nach rechts und links.

Atmen Sie ruhig weiter.

Falls leichter Schwindel auftritt, warten Sie kurz und wiederholen Sie die Übung.

3. Aufstehen und Hinsetzen

  • Stehen Sie aus einem Stuhl auf.
  • Setzen Sie sich wieder.
  • Schauen Sie dabei möglichst geradeaus.

10 Wiederholungen.

4. Gleichgewicht im Stand

  • Stellen Sie sich mit beiden Füßen nebeneinander hin.
  • Wenn dies sicher gelingt:
    • Füße enger zusammenstellen
    • anschließend einen Fuß leicht vor den anderen setzen
    • später im Tandemstand üben.

Halten Sie sich bei Bedarf fest.

5. Gewichtsverlagerung

Verlagern Sie Ihr Körpergewicht langsam

  • nach rechts
  • nach links
  • nach vorne
  • nach hinten.

Die Füße bleiben am Boden.

6. Gehen

  • Gehen Sie langsam durch den Raum.
  • Schauen Sie zunächst geradeaus.
  • Später drehen Sie beim Gehen langsam den Kopf nach rechts und links.

Diese Übung trainiert das Zusammenspiel zwischen Augen, Gleichgewichtsorgan und Körper.

Wie lange sollte geübt werden?

Bereits wenige Minuten täglich können hilfreich sein.

Bei vielen Patienten verbessert sich das Gleichgewicht innerhalb einiger Wochen deutlich.

Je regelmäßiger trainiert wird, desto schneller gelingt häufig die Anpassung des Gehirns.

Medikamente allein lösen das Problem meist nicht

Schwindelmedikamente können bei starkem akuten Schwindel kurzfristig sinnvoll sein.

Sie sollten jedoch meist nicht über längere Zeit eingenommen werden.

Der Grund:

Das Gehirn lernt am besten, wenn es sich aktiv mit den veränderten Gleichgewichtssignalen auseinandersetzt.

Eine langfristige Einnahme kann diesen Anpassungsprozess verzögern.

Bitte halten Sie sich daher an die mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vereinbarte Einnahmedauer.

Leichter Schwindel während der Übungen ist ausdrücklich erwünscht. Er zeigt dem Gehirn, welche Bewegungen es neu erlernen muss. Die Übungen sollen jedoch niemals zu einer Sturzgefahr führen.